Eingeladen zur Hochzeit (Katharina)

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Seit ca. Weihnachten wissen wir, dass wir zu einer Hochzeit eingeladen sind! Wuhhuu!! Ein großes Ding und wir haben uns natürlich ur gefreut, weil wir dauernd Hochzeiten auf der Straße sehen, aber halt nicht so ganz wissen, was da eigentlich passiert. Eingeladen wurden wir vom Bruder einer Schulkollegin, den wir gar nicht kennen. Aber das macht nix, Hochzeiten sind groß und es werden einfach viiiiiele Leute eingeladen. Schon die Vorbereitungen waren spannend: ich brauche ein Kleid, das mit den ganzen (Ball-)Kleidern hier mithalten kann. Also war ich bei der Schneiderin, sie hat Maße genommen und eine Woche später, war mein Kleid fertig. Knappe 35€ hab ich dafür bezahlt. Für den David genügt Hemd und Anzughose. Wir haben auch eine goldene Plastikeinladung bekommen, in die man das Geld (=Geschenk) stecken muss, das man dann am Abend mitbringt.

Los ging’s um 6:30…wirklich dort waren wir dann so um 7 (eig. nur 10min Fahrt). Und haben erstmal gewartet: vor dem Haus der Braut war die ganze Straße einfach abgesperrt und ein riesen Zelt aufgebaut. Dahinter war eine große Bühne, wo bereits eine Band in voller Lautstärke gespielt hat. Die Musik davon hat man schon ab 4h bei uns daheim hören können… Jeder Gast hat dann ein Tablett mit Obst bekommen – immer 2 gemeinsam: eine weibliche und eine männliche Frucht. Der Tradition nach bringt der Bräutigam mit den Gästen dieses Obst zur Brautfamilie. Also sind wir ca. 100m vom Haus weggegangen und dann in einer Prozession wieder hin und haben dort das Obst abgeliefert. Dann gab’s Frühstück für alle: eine Art Reisporridge mit Schwammerl und Fleisch. Danach sind viele Leute wieder gegangen, wir durften für die weiteren Zeremonien bleiben.

 

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Im Haus der Braut im Wohnzimmer (wirklich schönes Haus mit tollem Holzboden, Wänden und richtiger Einrichtung – dürften reiche Leute sein), haben sich die restlichen Leute am Boden versammelt. Traditionelle Musiker haben auf uns unbekannten Instrumenten gespielt, leider durch furchtbar schlechte Megaphone verstärkt, so dass das Ganze ein ohrenbetäubendes Krächzen war. Auf jeden Fall hat dann eine Sängerin den Eltern das Obst gezählt und präsentiert und dabei gesungen und getanzt. Insgesamt waren es um die 30 Obstsorten, wie am Ende stolz berichtet wurde. Sie sind den Eltern übergeben worden. Danach traten zum ersten Mal die Brautleute in Erscheinung (die bei jeder Zeremonie ein anderes Gewand an hatten, bzw. die Braut anders geschminkt und behängt war). Braut und Bräutigam haben jeweils über ihren Schwiegereltern einen goldenen Schirm gehalten, während der Zeremonienmeister ihnen erzählt hat, wie wichtig es ist, dass sie jetzt für ihre Eltern und Schwiegereltern verantwortlich sind und sie sich gut um sie kümmern müssen.

Als der Teil aus war, sind wir wieder alle raus aus dem Haus und hinunter. Nach einiger Warterei (weil sich ja wieder alle umziehen mussten) kam es zum „Haareschneiden“. Leider war das Warten ziemlich mühsam, weil es erstens heiß wurde, aber vor allem weil die ohrenbetäubende Musik weiterging und draußen noch viel schlimmer war. Die Megaphone sind nämlich auf die Straße gerichtet, damit der ganze Ort, was von der Hochzeit hat. Die Schreierei ist so laut, dass man sich unmöglich daneben verständigen kann und wir haben alle total Kopfweh bekommen und waren danach ur fertig. (David und ich haben am Nachmittag 3h geschlafen). Auf jeden Fall: das heiß ersehnte Haarschneiden: hier traten auch die jeweils drei Trauzeugen der Brautleute in Aktion, alle natürlich farblich abgestimmt. Nach ewig langer Rederei des Zeremonienmeisters und der beiden traditionellen Tänzer kam es endlich zur Sache: Symbolisch haben nun die Eltern Braut und Bräutigam die Haare geschnitten, zum Zeichen, dass das Alte vergangen ist und nun ein neues Leben beginnt. Nach der Reihe durften auch noch alle anderen den beiden „Haareschneiden“ (Man tut aber nur so ;-).

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Dann gab es Mittagessen!! Wuhhu, also wieder ins Zelt an die Tisch. Es waren jetzt viel weniger Leute da, als in der Früh und das Zelt ziemlich leer. Es gab Reis und eine Art Curry-Suppe. War ganz lecker… wir dachten, dass nun Pause ist und wir heimfahren, aber weit gefehlt, weiter ging’s mit der vierten Zeremonie: Warten und Umziehen und wieder rauf ins Haus (das Haus ist wie alle Khmer-Häuser auf Stelzen gebaut und man geht hinauf ins Haus). Dort war das Paar nun über und über in Gold geschmückt: sie Braut hatte was von einem Christbaum. Nun redet wieder der Meister, dann haben die Eltern ihren Kindern ihre Wünsche gesagt, einen Geldschein in die Hand gesteckt und ihnen ein rotes Bändchen umgebunden (das symbolisiert den Segen und die guten Wünsche). Auch das durften danach alle anderen machen.

Dann als letzte Zeremonie am Vormittag setzten sich das Brautpaar mit allen verheirateten Paaren und dem Zeremonienmeister in einen Kreis. Er entzündete 3 Kerzen und sie wurden 7-mal reihum gegeben, dabei wedelt man immer mit der Hand den Rauch zum Brautpaar hin und sendet ihnen so alles Gute für ihre Ehe. Der Teil war wirklich sehr stimmungsvoll und schön! Das dürfte auch traditionell der Höhepunkt sein, zumindest hatten die beiden da ihr ärgstes Gewand an :D Am Ende bewarfen noch alle das Brautpaar mit Blumen. Dann (endlich) war diese nervtötende Musik aus und wir sind heimgefahren. Ca. um 13h waren wir daheim…zuerst haben wir uns gewundert über diese Zeitgestaltung, aber es macht wirklich Sinn. In der Früh ist es nicht so heiß und das Obst Herumtragen war auch in der Sonne ok. Bis Mittag ist es erträglich und in der heißesten Zeit von 13-16h ist einfach Pause und alle legen sich hin.

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Wir sind wie tot ins Bett gefallen und haben mitten am Nachmittag 3h verschlafen. Dann also wieder nichts wie hin auf die Party!! Um ca. 19h waren wir wieder dort unsere Kollegen haben schon gewartet und wir sind, in das diesmal randvolle Zelt und haben einen Tisch zu zehnt bekommen. Sobald alle 10 Leute da sind, wir Essen auf den Tisch gestellt. Am Abend ist alles sehr locker: die Musik kommt von der großen Bühne, ist wieder sehr laut, aber statt Megaphonen gibt’s diesmal riesige Boxen, was das Ganze schon um einiges angenehmer macht. Alle lachen, tratschen, essen, laufen umher. Das Essen war gut, aber nicht total besonders: es gab Fisch, Suppe, Salat, Nüsse, Rindfleischmix und natürlich Reis. Dazu wird Bier getrunken, aus Dosen mit Eis im Glas und sonst gibt es noch Juice (der sich meist als Energy drink entpuppt). Ich bleib dann mal bei Wasser ;-) Nach dem Essen wird wir Fotos machen gegangen. Generell vielleicht das Wichtigste bei der Hochzeit: Fotos! Das hab ich auch am Vormittag vergessen: egal ob Haareschneiden, oder fromme Wünsche, wichtig ist, dass es immer gut am Foto festgehalten wird. Fotographen sind auch nicht dezent im Hintergrund, sondern an vorderster Front und bestimmen kräftig mit. ES hängen auch überall Plakate mit den Hochzeitsfotos des Paares (die macht man anscheinend bereits ein Monat davor. Sie sind dafür extra zu irgendwelchen Wasserfällen gefahren… ach ja und bearbeitet sind sie sowieso alle, damit sie am Foto alle schön weiß aussehen :D) Also jetzt: Foto machen! Mädls mit Burschen, nur Mädls, mit Chef, allein, zu zweit, alle… Danach noch mal essen.

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Nachdem Essen haben wir brav unser Geld-Kuvert abgegeben, das wird gleich aufgemacht und auf einer Liste aufgeschrieben, wie viel Geld man hergegeben hat. Verstecken geht da nicht ;-) Uns haben sie gesagt ca. 20$ pro Person, also haben wir 50$ hineingegeben und hoffen das passt. Aber wir verstehen, dass das für Kambodschaner, die oft auf eine Hochzeit eingeladen sind doch recht teuer werden kann. Vor allem weil zumindest einer aus der Familie hingehen muss, wenn man eingeladen ist. Heiraten ist auch SAU-teuer! Aber nachdem was wir gesehen haben: Riesen Zelt, Tische, Essen für ca. 300 Leute, fette Bühne mit Show, Zeremonien usw. können wir uns das auch vorstellen. Einheimische haben gemeint es kostet ca. 10 000-20 000$, das können wir uns verglichen mit den Gehältern hier irgendwie nicht vorstellen ?!

Aber gut, schließlich zog das Brautpaar ein (diesmal in einem riesigen weißen Kleid mit Schleppe – die Gewänder sind aber zumindest alle nur ausgeborgt) und alle stellten sich im Kreis auf, um sie mit Blumen zu bewerfen. Danach ging’s auf zum Tanzen! Die Musik ist rein auf khmer, meist poppig, aber auch typisch khmer. Oft wird dazu mit einem leichten Wiegeschritt im Kreis getanzt und hauptsächlich tanzen die Finger. Wir haben versucht das bisschen zu lernen, ist ganz nett!! Zwischendurch wird einfach nur wild rumgehüpft… und das Ganze mitten auf der Straße. Die ist abgesperrt und vor der Bühne sind Teppiche aufgelegt, damit man nicht im Sand (die Straße ist eine Art Schotterstraße) tanzt. In voller Lautstärke, auf der Bühne 6 Tänzerinnen und ein paar Musiker. Volle Lichtershow… kein Nachbar, der angrenzenden oder auch der ein paar Kilometer weit weg stehenden Häuser können da schlafen ;-) Sie freuen sich, dass wir da sind. Wie auch am Vormittag werden wir oft extra begrüßt oder bedankt. Sie freuen sich einfach über das Interesse an ihrer Kultur und miteinander tanzen macht Spaß. So lernen wir auch endlich Braut und Bräutigam ein wenig kennen. Langsam dünnt es sich aus und Leute fahren heim, wir merken, dass schon viele betrunken sind… es ist noch nicht mal 23h. Aber in Kambodscha endet alles früh; es fängt ja auch früh an. Um 23:30 sind wir auch daheim… Wir fallen ins Bett, aber es war sehr schön : )

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